Werkstattarbeiten - HU-Update, Isolatoren putzen und Achsen abschmieren

Als Großprojekt wurde im Sommer der Gesellschaftswagen von den Drehgestellen gehoben und die Achsen ausgebaut und zur Prüfung und Aufarbeitung an die Werkstatt der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) nach Lippstadt verfrachtet. Die Achswellen weisen leichte Rostgruben von wenigen Zehntelmilimetern auf, die jedoch nicht zulässig sind. Schwieriger als gedacht erwies sich dabei die Ermittlung des zulässigen Überdrehmaßes, denn eigentlich waren wir der Annahme, daß diese Achsen eines Minden-Deutz-Drehgestelles durchaus noch zeitgeistig aktuell sind, immerhin ist die Baureihenfamilie auch noch unter Intercity-Wagen im Einsatz. Aber weit gefehlt – unter den umbauwagen ist der „leichte“ Drehgestelltyp verbaut, und dazu gehören Leichtbau-Achswellen, die die Bundesbahn offenbar auch nur bis in die frühen 60er Jahre hat fertigen lassen. Wie viel, oder besser gesagt wie wenig dürfen diese Wellen abgedreht werden, um noch verwendet werden zu dürfen?

Ebenso problematischer als gedacht erweist sich die Neubeschaffung der Gummisilentblöcke, die als Primärfederung an den Radsatzlagern jeweils doppelt verbaut sind. Die alten Elemente sind nach ihrer Herstelljahreszahl nunmehr fast dreißig Jahre als und entsprechend hart und spröde geworden, sodaß wir sie tauschen wollen.

Während wir also in der Bösingfelder Werkstatt die Bremsanlage des Wagens geprüft, die Ventile nach Fulda gesendet und die Drehgestelle komplett gereinigt und auf Risse oder Abzehrungen untersucht haben, warteten wir wöchentlich auf Nachrichten aus Lippstadt, wo unsere Achsen übrigens in Warteschlage mit solchen der Museumsbahnen aus Osnabrück und Lengerich stehen.

Im Speisewagen bereitete die Warmluftheizung seit zwei Jahren unerklärlichen Kummer. Nach Ostern haben wir dann den Grund der häufigen Abschaltungen der Heizungsautomatik (Hitzewächter) gefunden:  der Warmluftkanal der Heizung war marode, die diversen Isolationsschichten hatten sich aufgelöst und waren als lose Reste im Kanal gelegen, sodaß quasi „Rohrverstopfung“ herrschte. Also mussten Sitze und Tische zunächst ausgebaut werden, um schließlich den alten Luftschlauch ausbauen zu können. Anschließend einen neuen Kanal verlegen, isolieren und die Sitze und Tische wieder einbauen. Das Ergebnis der Arbeiten war zu den Grünkohl- und Nikolausfahrten festzustellen, daß nunmehr wieder wohlige Wärme in allen Abteilen einzieht und die Heizung nicht mehr abschaltet.

Nach dem ÖBB-Wagen - Siehe gesonderter Artikel - folgen in 2019 übrigens noch zwei weitere Waggonprojekte: Der „alte“ Abteilwagen wird im Frühsommer und der Speisewagen im November zur Hauptuntersuchung fällig. Beim Abteilwagen ist auch dies nunmehr mit einem Neulack fällig, beim Speisewagen hatten wir durch den Messeauftritt für die Firma Liebherr schon 2017 das Glück, einen Neulackierung gespendet zu bekommen.

Durch den Fahrbetrieb mit den vielen Fahrtage - im Jahr 2018 waren das alleine 27 mit Fahrgästen -  benötigten die alten Maschinen besonders intensive "Streicheleinheiten". 

An der E-Lok sind die Isolatoren auf dem Dach zu putzen. Der Stromabnehmer besteht aus Graphit. Dieses reibt sich während der Fahrt an der Fahrleitung ab und lagert sich auf den Isolatoren ab. Damit es nicht zum Kurzschluss kommt, sind die Isolatoren von Zeit zu Zeit zu reinigen. Im Fahrschalter sind die Kupferkontakte zu reinigen und schmieren, damit immer ein guter Stromfluss gewährleistet ist und Übergangswiderstände vermieden werden.

Im Vorfeld sind zudem alle Lager an den Achsen und Stangen der V 65 abzuschmieren und die Ölstände von Motor, Druckluftkompressor und Getriebe zu prüfen. Auch das Putzen der Lokomotiven-Fahrwerke und Fahrzeugaufbauten gehört dazu, schließlich soll ja ein gepflegter Eindruck der Eisenbahn  vermittel werden.

Alles Wartungsarbeiten ohne die die Eisenbahn nicht laufen würde.

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