Unser „Hofhund“ ist zurück

Köf 6815 nach langer Aufarbeitung wieder in Betrieb

 

Zufriedene Gesichter bei der Abnahmefahrt am 18.01.2015

Über fünf Jahre waren die typischen Geräusche einer Kleinlok nicht mehr bei der Landeseisenbahn Lippe zu hören gewesen. Nun ist die Köf 6815 repariert und hat eine neue Hauptuntersuchung erhalten.

Im Sommer 2009 wurde sie das letzte Mal für Rangieraufgaben und im leichten Bauzugdienst anlässlich der bevorstehenden Wiederinbetriebnahme der Begatalbahn eingesetzt. Dann streikte plötzlich das Getriebe und die Lok musste abgestellt werden. Mit der Streckenerweiterung ins Begatal und dem dortigen Betrieb, der Aufarbeitung der vorrangigen Streckendiesellok V65 sowie der laufenden Pflege der Dampflok, des TVT und der übrigen Wagen waren die LEL-Aktiven im Jahr 2009 bestens ausgelastet. Die Köf wurde zunächst hinten angestellt, da ihr Schaden – so viel stand nach einer ersten Inaugenscheinnahme fest – nicht „mal eben“ zu beheben war.

Zudem stand für den Rangierdienst im Bahnhof Bösingfeld der Zweiwege-Unimog der Verkehrsbetriebe Extertal (vbe) zur Verfügung. Trotzdem wollte man die Köf und ihre Wiederinbetriebnahme nicht aus den Augen verlieren. Der Unimog war seinerseits auch nicht mehr der jüngste und erst recht nicht der beste und stand letztlich eben nicht im Eigentum des Vereins. So wurde kurzzeitig angestellten Verkaufsüberlegungen hinsichtlich der Köf schnell ein Riegel vorgeschoben und es begann zunächst eine genaue Fehlersuche. Im kalten Winter 2010 begann Stefan Bothur, die Kleinlok auseinanderzubauen und den Getriebedeckel zu öffnen. Er fand auch die Ursache für den Totalausfall, die theoretisch zwar denkbare Reparatur stellte sich allerdings praktisch schwierig dar, ganz ohne Kran, Werkstatthalle und Ersatzteile. Im Frühjahr 2010 konnte die Köf zumindest einmal unter Dach abgestellt werden, da die E-Lok 22 zur Aufarbeitung in die benachbarte vbe-Werkstatt wechselte. Doch wieder fehlten die personellen Ressourcen für die erforderlichen Arbeiten und Getriebeteile für eine seit Jahrzehnten ausgemusterte Kleinlokbaureihe liegen schließlich auch nicht mehr überall „auf Halde“. Nach langer und schon nicht mehr mit allzu viel Hoffnung betriebener Suche klingelte dann im Jahr 2012 unvermittelt das Telefon: ein baugleiches Voith-Getriebe aus einer Schlacht-Köf war kurzfristig abzugeben! Der Vorstand überlegte nicht lange und ließ das Ersatzteil anliefern – doch damit war nur ein einzelner Schritt getan, der Weg der Aufarbeitung blieb noch lang.

Zum Ende des Jahres verkauften die vbe zu allem Überfluss auch noch ihren Zweiwege-Unimog, dessen ebenfalls unvermeidlich gewordene technische Aufarbeitung seinen Restwert um ein Vielfaches überstiegen hätte. Die betriebliche Situation verschärfte sich dadurch, denn ein „kleines“ Rangierfahrzeug stand nun im Betriebsbahnhof Bösingfeld überhaupt nicht mehr zur Verfügung. Für die E-Lok 22 stand nicht jederzeit Fahrstrom zur Verfügung, sodass jede Rangierbewegung vorher sorgfältig eingeplant und durch Aufrüstung und Einsatz der Streckenlok V65 abgearbeitet werden musste.

Angekommen: Köf 6815 wird in Bremervörde aufgegleist.An dieser Stelle machte sich die seit einigen Jahren begonnene und seither gepflegte Vernetzung der LEL bezahlt: In dem durch die in den Jahren 2010-2012 durchgeführten Fernfahrten gewonnenen Partner Mittelweserbahn bzw. Eisenbahn und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) fand sich genau die benötigte Kapazität gepaart mit dem erforderlichen Know-How, um den Getriebetausch und die weitere Aufarbeitung der Köf 6815 Realität werden zu lassen. Im April 2013 gelangte die Maschine per Straßentieflader in die EVB-Hauptwerkstatt Bremervörde, wo sie als Ausbildungsprojekt fortan instand gesetzt wurde.

 

 

Die LEL-Köf zwischen "großen Eisenbahnen" in der evb-Hauptwerkstatt   Zur Revision ausgebaute Achse der Köf 6815

Im September 2014 kehrte die Köf schließlich mit neuem Getriebe, abgedrehten Achsen und weiteren im Rahmen der Fristuntersuchungen geleisteten Arbeiten wieder zurück nach Lippe. Aber auch hier war die lange Geschichte der Aufarbeitung noch nicht zu Ende; es standen weitere „Restarbeiten“ an. Dankenswerterweise wurde dem Verein hierfür das verbliebene Werkstattgleis in der vbe-Halle erneut zur Verfügung gestellt. Einige Aktive, hierbei sei insbesondere Michael Ortenstein genannt, nahmen sich in den folgenden Wochen der verbliebenen Baustellen an. So mussten die an der Rückwand montierten Puffer getauscht werden. Diese waren, wie Nachforschungen ergaben, nicht die originalen und hatten eine zu kleine Tellergröße, waren also beim Rangieren vom Führerstand aus nicht sichtbar. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen waren die originalen Puffer aber bei der LEL vorhanden, standen nur seit Jahren unbeachtet in der Ecke – und konnten nun wieder ihren angestammten Platz einnehmen.

Vorbereitungen für die neue FührerstandsverglasungAuch eine weitere „Bausünde“ der späten 1990er Jahre wurde jetzt behoben: die ursprünglich als sogenannte „Säcke-Köf“, d.h. ohne Verglasung und Türen ausgelieferte Maschine hatte zwischenzeitlich bei der LEL zum Schutz des Personals eine provisorische Führerstandsverglasung erhalten. Diese konnte nunmehr einer Originalverglasung, ebenfalls aus alten Ersatzteilbeständen aufgetrieben, weichen, wozu einige Blecharbeiten erforderlich waren. Neben weiteren Kleinarbeiten erhielt die Köf 6815 jetzt auch ein fest eingebautes Rangierfunkgerät, das seit dem Abgang von „Emil Mayrisch N.3“ übrig war.

Rückwand des Führerstandes während der Vorbereitungsarbeiten zur NeulackierungVon Altrot über vbe-Orange bis zum blanken Blech: Bei der Lackierung wurde ganze Arbeit geleistet.Etliche Arbeitsstunden widmeten die aktiven Vereinsmitglieder in Bösingfeld auch der neuen Lackierung in der Originalfarbe Rubinrot, die den in die Jahre gekommenen, teils ausgebesserten und durch viele Beschriftungen „verzierten“ Altlack ersetzt. Vorher wurde fleißig entrostet, glatt geschliffen und grundiert. Insbesondere die LEL-Jugend hat sich hierbei hervorgetan, Raphael und Jan-Philipp haben sogar einen Großteil ihrer Herbstferien mit Pinsel und Farbe in der Werkstatt verbracht. Eine neue Beschriftung nach originalem Bundesbahn-Standard komplettierte schließlich das neue Bild der Kleinlokomotive.

 

Arbeit im Detail: Neue Beschriftung für die frisch lackierten Führerhauswände   Noch wie ein gerupftes Huhn, aber doch schon viel erreicht: Köf 6815 in der Werkstatthalle.

Am 18.01.2015 hat die Köf 6815 schließlich ihre letzte Hürde, die Abnahme durch den Sachverständigen, genommen und steht der Landeseisenbahn Lippe seither wieder mit „frischer HU“ für Rangier- und leichten Bauzugdienst zur Verfügung. Allen an der Aufarbeitung Beteiligten, von LEL wie evb, sei ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt!

Jungfernfahrt: Die Abnahme am 18.01.2015 führte die Köf 6815 erstmals wieder nach Alverdissen.

[ Raphael und Golo Kahlert im Januar 2015 ]